Richtig abschleppen

Manfred Prescher 4107 0
Wer wissen will, wie er beim anderen Geschlecht anbandeln kann, ist hier fehl am Platz. Unsere Tipps beschäftigen sich mit einem durchaus heiklen Thema - dem Abschleppen von defekten Fahrzeugen: Wie werden defekte Autos sicher und regelkonform abgeschleppt? Der Rameder-Profi erklärt es.

1. Was sich nicht selbst bewegen kann, darf geschleppt werden

Generell dürfen alle Automobile und auch Omnibusse oder LKW abgeschleppt werden, wenn sie sich nicht mehr aus eigener Kraft bewegen können. Für Motorräder – auch mit Beiwagen – gilt das nicht. Diese gehören auf einen Anhänger.

2. Sichern ist lebenswichtig

Bei einer Panne muss zuerst der Ort abgesichert werden. Dazu werden Warnblinkanlage eingeschaltet, Warnwesten angezogen und das Warndreieck richtig aufgestellt. Auf Autobahnen macht man dies in einer Entfernung von 200 bis 400 Metern, auf der Landstraße in bis zu 100 Metern und innerorts bis zu 50 Metern Abstand.

3. Abschleppstange und Abschleppseil

Danach wird die Abschleppstange oder das Abschleppseil angebracht. Beide dürfen nur an den dafür vom Fahrzeughersteller vorgesehenen Haken oder Ösen befestigt werden. Bei vielen aktuellen PKWs versteckt sich die Öse unter einer Abdeckung, die abgeschraubt werden muss. Die Abschleppstange ist auf jeden Fall besser und sicherer, denn die starre Verbindung senkt das Risiko eines Auffahrunfalls bei abruptem Bremsen des Zugfahrzeugs. Abschleppseile sind nur bis zu einem Zuggewicht von 4 Tonnen zugelassen – und das auch, wenn das Seil mehr „vertragen“ könnte. Beim Seil gilt ein Maximalabstand zwischen Zugfahrzeug und defektem Auto von 5 Metern.

4. Das abgeschleppte Auto

Beim Fahrzeug, das geschleppt werden muss, gehört der Gang rausgenommen und das Warnblinklicht eingeschaltet. Der Zündschlüssel muss stecken und auf „Zündung“ oder „Entriegelung“ gedreht werden, so dass die Lenkung funktioniert und das Lenkradschloss nicht einrasten kann. Auch beim Zugfahrzeug muss das Warnblinklicht blinken, das Gespann darf mit maximal 50 km/h unterwegs sein.

5. Schleppen vom Profi

Bei einem schweren Unfall mit beträchtlichen Schäden muss ein Abschleppservice (ggf. ADAC) die Arbeit übernehmen. Schließlich kann zum Beispiel die Lenkung versagen. Bei folgenden Schäden muss ein Abschleppdienst beauftragt werden: Wenn Gefahr besteht, dass durch den Transport abfallende Fahrzeugteile den Verkehr gefährden können – oder, wenn Lenkung, Bremsen, Reifen/Felgen oder die Warnblinkanlage defekt sind.

6. Schleppen auf der Fernstraße

Man darf ein anderes Auto auf der Autobahn abschleppen, aber nur bis zur nächsten Ausfahrt. Generell gilt, dass die nächstgelegene Werkstatt angesteuert werden soll.

7. Führerschein beim Abschleppen

Wer das Zugfahrzeug steuert, muss natürlich im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sein. Wer im abgeschleppten Wagen sitzt, braucht indes keinen Führerschein.

Fazit:

Abschleppen ist kein Hexenwerk, aber man muss geübt vorgehen und Risiken vermeiden. Daher empfiehlt es sich, ein Zeichen zu vereinbaren, dass der „Gezogene“ setzt, wenn etwas nicht stimmt – also zum Beispiel das Seil gerissen ist. Zweimal Lichthupe in kurzem Abstand ist ein gängiges und brauchbares Code-Signal.

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