Acht Generationen Golf – das Wolfsburger Wunderauto

Manfred Prescher 254 0
Auf dem Genfer Auto Salon wird im März der neue Golf GTI präsentiert, die „braven“ Brüder des Wolfsburger Dauerrenners kennt man schon etwas länger. Das Rameder-Team stellt nun mal alle Generationen vor.
Klare Kante statt runder Käfer: Golf I

Wunderauto Golf I – Abkehr vom Käfer

Was haben sie bei VW nicht alles erprobt, entwickelt, wieder fallen lassen – nur um stattdessen den Käfer weiter zu verfeinern. Selbst der moderne, aber eben von NSU stammende K70 änderte nichts daran. Erst mit den Ingolstädter Kreationen Audi 50 und Audi 80 wurde das anders, denn die wurden als Polo und Passat zu Dauerbrennern. Und dann kam der Golf: Von Giorgio Giugiaro „auf Kante genäht“ und ebenso zeitlos schlicht wie – dank Heckklappe – auch praktisch, wurde die erste Generation ab 1974 zum Welterfolg. Denn: Der damalige VW-Chef Rudolf Leiding kam, so behauptet zumindest Guigiaro, „im Prinzip zu spät, um das Wunderauto Golf noch aufhalten zu können.“ Die sogenannte „Kombilimousine“, die es freilich von Fiat oder Renault schon gab, wurde zur Blaupause für viele Automodelle und natürlich auch für die sieben folgenden Generationen des Golfs.

Der „Ur-Golf“ war ein zwischen 750 und 805 Kilogramm leichtes Fahrzeug und praktisch mit jeder Motorisierung recht flott unterwegs. Als Cabrio, beziehungsweise „Erdbeerkörbchen“, sollte es ab 1979 den offenen Käfer beerben, was allerdings etwas dauerte. Aber dafür hielt sich das bei Karmann in Osnabrück gebaute „Einser Cabrio“ bis 1993 im Programm – und da gab es schon die Freiluftversion des Golf III. Weil der Golf I ein Dauerrenner war, hat Kupplung.de für die offene Variante des „Ur-Golf“ auch immer noch eine Anhängerkupplung im Sortiment. Logischerweise gibt es auch für die weiteren Generationen mindestens einen praktischen Haken. Für den neuen Golf 8 ist die Anhängevorrichtung in Planung. Ein Blick in die Themenwelt „Anhängerkupplung“ lohnt sich auf jeden Fall.

Der zweite Golf: Als Klassiker längst schon sehr begehrt

Golf II – ein flotter Luftikus

Von 1983 bis 1992 wurde der Golf II gebaut – und das mehr als 6,3 Millionen Mal. Er konnte halt fast alles etwas besser als der „Einser“: Es gab leistungsstärkere Motoren, die Autos wogen allerdings auch ein klein wenig mehr. Dafür war der Cw-Wert mit 0,34 statt 0,42 spürbar niedriger. Das lag an der rundlicheren Karosserie und die sorgte für bessere Werte in puncto Kraftstoffverbrauch. Was der „Zweier“ genauso gut konnte, wie sein Vorgänger, war rosten. Aber den Kampf gegen die „braune Pest“ hatten die anderen Hersteller damals auch noch nicht aufgenommen. Ansonsten war der Golf II – VW-typisch – solide. Stärkstes Modell war, von Rallye-und Renn-Spezialanfertigungen abgesehen, der 1989 nur 71 Mal gebaute G60 Limited, der mittels Spirallader und Ladeluftkühler standhafte 210 PS auf die Vorderachse wuchtete.  

Die ersten Golf III dürfen bald mit H-Kennzeichen auf die Straße

Golf III – nicht für die Ewigkeit

Wie beim „Einser“ gab es auch bei der dritten Generation Golf das Cabrio länger: Es wurde von 1993 bis 2002 gefertigt, die Schrägheck-Variante war „nur“ knapp sieben Jahre lang im Programm – von 1991 bis 1997. In dieser recht kurzen Zeit wurde der Golf III mehr als 4,8 Millionen Mal an meist zufriedene Kunden ausgeliefert. Tatsächlich war es so, dass die Fahrer des nun bis zu 1380 Kilo schweren Golfs mit ihrem Fahrzeug glücklich waren, denn er war überaus zuverlässig, besonders, was die Motoren anging. Aber auch der Golf III war beileibe kein Rostverächter. Die Folge: Zehn Jahre nach Produktionsende waren zwar immer noch mehr als 1,3 Millionen „Dreier“ auf deutschen Straßen unterwegs. Wenn aber im nächsten Jahr die ersten Golf III ein H-Kennzeichen bekommen können, werden in Flensburg deutlich weniger Fahrzeuge gemeldet sein als vom Golf II.

Der „Vierer“: Stabil, zuverlässig und nahezu unverwüstlich

Golf IV – ein starker Begleiter

Der Golf IV war auch nur wenige Jahre – von 1997 bis 2003 – im Programm, wenn man von der Kombi-Variante absieht. Aber der „Vierer“ gilt zurecht als bis dato bester Golf und hat einen Ruf, der bis heute exzellent ist. Und das völlig zurecht, denn viele Golf IV fressen als preiswerte Gebrauchtwagen oder als gepflegter Youngtimer immer noch treu die jede Menge Kilometer. Erstmals standen beim Golf IV Rostvorsorge und Haltbarkeit der Komponenten bei der Entwicklung im Lastenheft. So wurde die Karosserie wurde elektrolytisch vollverzinkt, so dass der Konzern eine zwölfjährige Garantie gegen Durchrostung gewähren konnte. Der VW-Konzern investierte viel Geld in Zuverlässigkeit und Langlebigkeit – aber auch in Komfort: Durch eine neuartige, obenliegende Motoraufhängung nebst mittiger Pendelstütze wurde eine extrem hohe, mittlerweile legendäre Laufruhe erreicht. Alle Gölfe der Baureihe wogen erstmals über eine Tonne, aber dafür ist der „Vierer“ beinahe unverwüstlich.

Der Golf V wurde erst als Golf VI zum Hit

Golf V – kein Millionär

Erstmals wurden von einer Golfbaureihe in Deutschland weniger als eine Million Fahrzeuge verkauft: Zwischen 2003 und 2008 wollten „nur“ rund 790.000 Bundesbürger einen Golf V. Das lag aber auch daran, dass die Plattform mit dem praktischen Touran erweitert wurde und ab 2008 mit dem Tiguan ein extrem erfolgreiches SUV als „Golf-Ableger“ angeboten wurde. Aber wurde der Golf V wirklich 2008 eingestellt? Sicher ist auf jeden Fall, dass der „Fünfer“ kein Leichtgewicht mehr war: Zwischen 1.155 und 1.590 Kilo brachte der fünfte Golf auf die Waage.

Golf VI teilt sich die Plattform mit vielen Modellen

Golf VI – oder doch eher Golf Va?

Vom Golf VI wurden zwischen 2008 und 2012 immerhin deutlich mehr als 2,8 Millionen Exemplare gebaut. Dabei war der „Sechser“ ein optisch und technisch aufgehübschter Golf V. Denn tatsächlich teilten sich beide Baureihen die gleiche Plattform – und die heißt schnöde PQ35. Das „P“ steht dabei für „Plattform“, das „Q“ für den quer eingebauten Motor, die Zahl „3“ für „Kompaktklasse“ und die „5“ für fünfte Baureihe, also für „Golf 5“. Ja, und diese Plattform teilte man sich außerdem auch noch mit einigen Konzerngeschwistern von Audi, SEAT und Škoda, oder mit VW-Baureihen wie Jetta, Eos, Tiguan, Touran, Beetle oder dem speziell für China gefertigten VW Sagitar. Neu entwickelt wurde das von 2011 bis 2016 im ehemaligen Karmann-Werk gebaute Golf VI Cabrio.

Jetzt zugreifen lohnt sich: Preisnachlässe beim Golf VII stehen an

Golf VII – jetzt zuschlagen

Wenn der Golf 8 endlich in größerer Zahl verkauft wird, dürfte der Golf VII deutlich preiswerter zu haben sein. Der bis zu 360 PS starke Golf wird seit 2012 gebaut und ist als Neuwagen immer noch erfolgreich. Nebenbei ist „Siebener“, den es auch als Elektro-Golf gibt, tatsächlich der erste Golf, der im Vergleich zum Vorgänger leichter geworden ist: Je nach Variante sind es bis zu 100 Kilogramm an Gewichtsersparnis. Dafür hat er rund 45 Liter weniger Gepäckraumvolumen zu bieten – sagt der ADAC. Für Anhängerkupplungen taugen vor allem die leistungsstärkeren Varianten: Eine Anhängelast von 1.100 bis 1.920 Kilogramm ist drin, am besten kann es eigentlich der GTE mit 2.040 Kilo. Der ist zwar noch im Programm, aber aktuell nicht lieferbar.

Tradition Golf: Natürlich wird es den Golf 8 auch als GTI geben.

Golf VIII – Alle Achtung!

Die achte Baureihe des Golfs ist von den Abmessungen her weitgehend identisch mit dem Vorgänger: Die Länge von 4.284 Millimeter entspricht bis auf zusätzliche 2 Millimeter dem Siebener, bei Breite und Radstand sieht es ähnlich aus. Das liegt daran, dass die Plattform im Prinzip gleichgeblieben ist. Interessant ist die Vielzahl der teilweise optionalen Assistenten. Einige davon sind aber bei allen Varianten Serie: Systeme zur Spurhaltung, Fußgänger- und Radfahrererkennung gehören nun automatisch zum Golf. Als erster Volkswagen erhält der Golf VIII serienmäßig eine „Car 2 X“-Funktion. Damit kann der Golf über eine Distanz von bis zu 800 Metern mit anderen Autos oder dem Verkehrsleitsystem kommunizieren – wenn diese mit der Technik ausgestattet sind. Die zunächst stärksten Gölfe sind der 1,4 TSI eHybrid mit 204 und der GTE Hybrid mit 245 PS, aber GTI, GTD und die R-Version stehen ebenfalls in den Startlöchern.

Bildnachweis
  • Volkswagen Presse

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