Deutsche Automuseen – Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

Manfred Prescher 538 0
Es ist eigentlich immer der richtige Zeitpunkt für ausgiebige Besuche in Automuseen – auch im Frühling. Deshalb stellt das Rameder-Team nun einige Highlights aus drei weiteren norddeutschen Bundesländern vor

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Das Automuseum PROTOTYP – Rares und Wahres aus Leidenschaft

Bald sind wir am Ende unserer Museumsreise durch Deutschland – „nur“ noch der Beitrag über die „Heiligen Autohallen“ in Nordrhein-Westfalen steht in Kürze an. Danach kürt das Rameder-Team seine fünf absoluten Lieblinge. Eines sei jetzt schon verraten: Das Automuseum PROTOTYP wird definitiv dazu gehören. Denn das, was in der Hamburger Speicherstadt zu sehen ist, wird nicht nur mit Leidenschaft präsentiert, sondern eben auch mit maximaler Akribie. Die ist tatsächlich nötig, denn im PROTOTYP werden auf drei Etagen besondere Teile Automobilhistorie auf beeindruckende Weise lebendig. Unter dem Motto „Personen. Kraft. Wagen.“ werden auch spannende Geschichten erzählt, die man sonst vergessen würde – und das wäre ein fataler Frevel. So zum Beispiel die des Porsche Typ 64 (siehe unser Aufmacherfoto). Das Fahrzeug stammt aus dem Baujahr 1939 und ist das erste Auto, den der Porsche-Schriftzug zierte. Er begründete Tradition des Herstellers als Sportwagenbauer. Seine Existenz verdankt er einem Nazipropagandarennen, das von Berlin nach Rom führen sollte, aber nicht mehr stattfand. Beim Typ 64 handelt sich um eine 35 bis 40 PS starke Rennversion des „KdF-Wagens“, also des späteren Käfers.

Einer von insgesamt 14 gebauten VW-Prototypen, die im Jahr 1939 gebaut wurden, existiert noch. Dieses perfekt restaurierte Auto trägt die Fahrgestellnummer 1-00003 und begeistert die Besucher des Hamburger Museums. Warum es in Zuffenhausen und noch nicht in Wolfsburg gebaut wurde, wird in der Ausstellung genauso erklärt, wie der Begriff „Fetzenflieger“ für den vom österreichischen Unternehmer, Fahrzeugentwickler und Motorsportler Otto Mathé gebauten Rennwagen mit 1,5-Liter-Porsche-Boxer. Die Antwort geht, grob zusammengefasst, so: Weil Mathé die seitlichen Motorraumabdeckungen zum schnellen Wechsel der Zündkerzen aussparte und mit einem Textilbezug bespannte, der zudem als Luftfilter diente, konnte dieser Stoff sich bei Fehlzündungen entflammen. Und in Fetzen durch die Gegend fliegen. Mathés Schaffen und seine genialen Ideen sind ein wichtiger Teil des Museums PROTOTYP – der Besuch ist ein Muss für historisch interessierte Technikfans.

Bredstedt – Oldtimer in der Scheune

Im nordfriesischen Luftkurort Bredstedt wartet das Museum von Thorsten Hansen auf die Besucher. Hansen hat in seiner liebevoll gestalteten Scheune mehr als 40 Fahrzeuge artgerecht aufgestellt. Wer sich nebenbei auch für Bernstein-Kunst interessiert, kommt hier ebenfalls auf seine Kosten. Denn hier wird die Sammlung von Andreas Bogensee der Öffentlichkeit gezeigt. Doch zurück zu den Oldtimern in der Scheune: Mit Liebe zum Detail präsentiert Hansen überwiegend Vorkriegsmodelle, unter anderem von Dodge, Buick, Studebaker oder Packard. Spielend leicht wird man so in die Zeit von Al Capone oder den großen Filmen Hollywoods versetzt. Zu sehen sind auch eine Bus-Version des Ford Model T, eine REO Feuerwehr, ein BMW-Barockengel oder ein frühes E-Fahrzeug von Detroit Electric. Genau, das ist das Autochen, das zum Vorbild des Fahrzeugs von Oma Duck wurde.   

Technik-Museum Pütnitz

Fans alter Ost-Technik werden vom Technik-Museum auf der Halbinsel Pütnitz und dessen rund 750 Exponaten begeistert sein. Denn fast alle ausgestellten Fahr-, Schwimm- und Kettenfahrzeuge sind voll funktionsfähig. Doch nicht nur Automobile oder Panzer werden in der außergewöhnlichen Schau präsentiert, sondern viele Bereiche des Alltags in der DDR. Im Charme der früheren Jahrzehnte werden Rundfunk-, Fernseh- und Haushaltstechnik, Spielzeug und vieles mehr gezeigt. Technikfreunde können aber nicht nur schauen und über die Exponate staunen, sondern unter anderem auch das aufregende „Agenten-Dinner“ genießen, ein Fahrtraining absolvieren oder sich selbst ans Steuer eines sowjetischen LKWs setzen. Zu den aktiven Fahrattraktionen gehören unter anderem Lada Niva, Ural 375D, Zil 135 und der im ganzen Ostblock bewährte Ikarus Gelenkbus. Im Außenbereich liegt ein weiteres Kleinod vor Anker – das Kontrollboot „Stralsund“.

Fahrzeugausstellung und mehr im DDR-Museum auf Usedom

Dieses Museum zeigt fast alle in der DDR üblichen Zweiradfahrzeuge, vom „Hackenwärmer“ bis hin zu MZ und AWO, auch Marken aus anderen Ostblockländern, etwa Jawa aus der CSSR oder Dnepr aus der UdSSR, sind zu sehen. Interessant und in Museen ziemlich einzigartig sind Krankenfahrstühle wie Krause „Piccolo“ oder Duo. Das auf Usedom beheimatete DDR-Museum Dargen bietet aber auch einen Querschnitt durch die PKW- und LKW-Palette in der DDR – von Trabant und Framo bis zu den Wolga-Modellen oder zu den staatstragenden Tatra-Automobilen 603/613 und dem „Regierungsbus“ Ikarus 22SL. Wichtiger Bestandteil der Ausstellung ist das Alltagsleben der DDR-Bürger – Kameratechnik, Haushaltsgeräte, Spielzeug, Radio- und Fernsehgeräte, Plattenspieler, Tonbandgeräte oder auch Zeitschriften werden wieder lebendig. Manch Besucher bekommt vielleicht Appetit auf „Pörkelt“, „Forstmeisterrouladen“ oder das „Rostocker Räucherfischgedicht“. Vielleicht macht die „Vereinsgaststätte“ im Museum diese DDR-Gerichte möglich?

Das Oldtimer-Museum von Rügen

Das Oldtimer Museum Rügen, vorher Eisenbahn & Technik Museum Rügen, ist sowohl ein Muss für Automobilfans, als auch für Eisenbahn-Romantiker. Es liegt unweit des denkmalgeschützten KdF-Baus Prora auf der beliebten Urlaubsinsel Rügen. Unweit des Bahnhofs Prora, direkt auf Strecke von Binz nach Lietzow, lockt das Museum alle an alter Technik interessierten Besucher: Auf einer mehr als 10.000 Quadratmeter großen, überdachten Ausstellungsfläche warten viele gut erhaltene Exponate auf ihre Erkundung. Riesige Lokomotiven, charmante Oldtimer und uralte Nutzfahrzeug-Recken, soweit das Auge reicht. Alle Fahrzeuge befinden sich nicht nur in einem exzellenten Zustand, die meisten Exponate sind auch im hohen Alter noch fahrbereit. Das gilt natürlich auch für den Volvo 264 TE der DDR-Regierung.

Bildnachweis
  • Automuseum PROTOTYP (Aufmacherbild: Porsche Typ 64)
  • Automuseum PROTOTYP (Gebäude in der Speicherstadt)
  • STAUD STUDIOS GmbH (Volkswagen Prototyp 1939 im Automuseum PROTOTYP)
  • Automuseum PROTOTYP (Rennwagen-Ikonen und Prototypen)
  • Automuseum PROTOTYP (Mathés "Fetzenflieger")
  • Oldtimer in der Scheune/Thorsten Hansen
  • Technik-Museum Pütnitz
  • DDR-Museum Dargen
  • Oldtimer Museum Rügen

Kommentare zu "Deutsche Automuseen – Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern"

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