Die Geschichte der Dachbox – eine clevere Transportlösung für alle

Manfred Prescher 461 0
Die Dachbox ist ohne Zweifel eine clevere Transportlösung – man denkt, dass es dieses Tool schon immer gegeben haben müsste. Aber weit gefehlt: Die ersten Autos rollten schon rund 80 Jahre vor der Einführung der Dachbox durch die Gegend. Dabei hätte man sie schon in der automobilen Frühzeit brauchen können. Das Rameder-Team erzählt die noch junge Geschichte einer genialen Idee.

Dachgepäckträger – eine clevere Transportlösung?

Zunächst gab es Körbe für das Dach, wie das Foto aus der Sammlung von Michael Schlenger belegt. Es zeigt ein Adler Landaulet von 1907 mit Dachkorb. Aber bereits in den 1940er Jahren konnte man sich – unter anderem von Thule – einen Dachgepäckträger kaufen und montieren. Damit ließen sich Kartons, Koffer und sperriges Gepäck außerhalb von Kofferraum oder Fahrgastzelle transportieren. Die Ladungssicherung durch Spannseile war eine Wissenschaft für sich. Dabei gab es zu jener Zeit durchaus schon Menschen, die an so etwas ähnliches wie eine Dachbox dachten und sich Patente dafür sicherten. Die Boxen sollten quadratisch oder rechteckig sein und mit einem Trägersystem auf dem Dach des Autos fixiert werden. Ein Unternehmen, das als Erfinder einer solchen Konstruktion gilt, ist die Edison Engineering Company Inc. aus den USA. Sie wollten eine Konstruktion entwickeln, mit denen man Pakete auf dem PKW-Dach transportieren konnte.  Das An- und Abmontieren sollte möglichst einfach sein, und der Transport sollte die Fahrsicherheit nicht beeinträchtigen.

Aber die Dachbox-Idee ist noch älter

Zeitgenössischer Dachgepäckträger auf Samba-Bulli T1

Eines der ersten Patente, auf denen man so etwas wie eine Dachbox erkennen kann, stammt aus dem Jahre 1935. Das Behältnis wurde mittels vier Vakuumsaugnäpfe am Autodach befestigt. Ob diese Konstruktion im Verkehr stabil und sicher gewesen wäre, ist allerdings fraglich. Man hätte vermutlich im Schritttempo in den Urlaub fahren müssen. Interessanterweise gab es damals schon Dachträgerkonstruktionen samt Metallschrauben und fest montierter Reling. Trotzdem tüftelten amerikanische Ingenieure noch Jahrzehnte später an der Saugnapflösung.

Die erste echte Dachbox

Thule Ski Carrier von 1962

Bereits in den 1950er Jahren gab es Dachaufbauten speziell für den Urlaub – besonders beliebt waren Dachzelte. Diese sind übrigens heute, besonders in der Off-Road-Gemeinde, wieder en vogue. Bereits seit 1962 fertigte ThuleSkiträger zum Montieren der Sportgeräte auf dem Dachgepäckträger. Moderne Dachboxen waren freilich erst seit den 1970er Jahren zu haben – und zunächst waren sie ebenfalls ausschließlich für den Transport von Skiern gedacht: So kam 1977 die Thule Skibox TB-11 auf den Markt und wurde rasch zum Erfolg. Andere Unternehmen, etwa die Tuningschmiede Kamei oder Hapro, kamen zu dieser Zeit auch mit ersten Produkten auf den Markt. Dabei wetteiferte man nicht nur um die Kunden, sondern auch um Patente in puncto Öffnung der Boxen oder Montage am Reling oder Dachgepäckträgern. Thule, die in den späten 1990er Jahren endgültig zum Marktführer beim Verkauf von Dachboxen wurden, entwickelte beispielsweise eigene Querträger für seine clevere Transportlösung.

Benzinsparen dank Aerodynamik

Bereits nach der Ölkrise der Jahre 1972/73 und dann verstärkt in den 1980er Jahren, begannen die Hersteller, die Erkenntnisse der Aerodynamik in die Entwicklung der Dachboxen einfließen zu lassen. Material und vor allem die Form sollten helfen, den Luftwiderstand zu verringern – und damit auch im beladenen Zustand die Spritkosten nicht explodieren zu lassen. Denn klar war, dass Dachaufbauten für höheren Kraftstoffverbrauch sorgen. Deshalb ist es beispielsweise aus ökonomischer Sicht besser, Fahrräder nicht auf dem Dach, sondern mittels Fahrradträger an der Anhängerkupplung zu transportieren. Alle 107 Dachboxen, die man im Sortiment von Kupplung.de findet, sind strömungsmechanisch optimal gebaut. Die Erkenntnisse in Bezug auf die Aerodynamik stammen aus dem Windkanal. Aber das war nicht von Anfang an so. Erst 1988 kam VW-Tuner Kamei auf die Idee, seine Traveller Box im Windkanal zu testen. Die Form der Traveller Box muss man daher als zeitlosen Klassiker bezeichnen. Mittlerweile sind Dachboxen natürlich noch strömungsgünstiger und damit effizienter gebaut. Auch die Montage und das Öffnen zum Beladen sind einfacher geworden. So wurde im Jahr 2003 ein Patent einer komplett nach aerodynamischen Gesetzen konstruierten Dachbox eingereicht. Sie sollte – wie es mittlerweile Standard ist – über Dachträger an die Dachreling befestigt werden. Aber es wird weiter geforscht: In den letzten Jahren wurden Dachbox-Patente registriert, die sich mit einer weiteren Verringerung des Luftwiderstandes und mit Geräuschreduktion beschäftigen.

Modernes Design: Die Alumined-Dachbox

Eine Idee aus den Star-Trek-Universum? Nein, es ist die innovative Alumined-Dachbox

Die Zukunft der Dachbox hat längst begonnen: Die Alumined-Dachbox wirkt, als sei sie aus einem Science-Fiction-Movie entliehen oder vom Tarnkappen-Jet F-117 abgeleitet. Sicher ist aber, dass sie bei Design und Material neue Wege geht. Die innovative Transportlösung ist nicht aus Kunststoff, sondern aus leichtem Aluminium handgefertigt. Sie sieht nicht nur edel und futuristisch aus, die Alumined-Dachbox kann im Vergleich zu anderen Dachboxen der 330-Liter-Klasse auch doppelt so viel „schleppen“: Die maximale Zuladung beträgt 100 Kilogramm.

Bildnachweis
  • EHRENBERG SØRENSEN Communication/Thule
  • Kamei
  • Google Patents
  • A7 Forum
  • Svan Classics
  • Vorkriegs-Klassiker-Rundschau

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