Ein Geist, der rollt – komische Autonamen V

Manfred Prescher 411 0
Man muss schon sagen: Beim Benennen von Automobilen sind der Kreativität seit jeher keine Grenzen gesetzt. Auch im fünften Teil finden sich daher wieder fünf komische Autonamen.

Komische Autonamen: Alles Frischkäse oder was?

Die Älteren unter den Lesern erinnern sich bestimmt: Vor Jahrzehnten war eine kleine Sängerin aus Frankreich extrem erfolgreich. Man nannte sie liebevoll den „Spatz von Avignon“ und schwelgte mit ihr durch Songs wie „Akropolis adieu“. Die Rede ist von Mireille Mathieu, mittlerweile 73 Jahre alt. Die Dame hat europaweit mehr als 160 Millionen Platten verkauft, aber was hat das mit Automobilen zu tun? Nichs. Es liegt wohl an der Aussprache ihres Vornamens, also an „Mirai“, dass Frau Mathieu an Toyotas neueste Innovation erinnert. Der Mirai ist allerdings nicht wirklich klein und auch nicht stimmgewaltig – er gehört eher zur leisen Zunft. Etwas kantig kommt er daher. Und das mag dann doch an die typische Frisur der Sängerin erinnern. Aber man tut den Japanern Unrecht, denn die Marketingstrategen dürften bei der Namensgebung überhaupt nicht an die Künstlerin gedacht haben, denn die kennt in Fernost vermutlich niemand. Außerdem heißt „Mirai“ auf Deutsch tatsächlich weder Mireille noch „Miree“, das Wort steht also weder für Musik noch für Knoblauchfrischkäse – sondern für Zukunft. Und das passt dann doch wieder ziemlich gut. Denn der Mirai ist ein Brennstoffzellenfahrzeug und fährt emissionsfrei mit Wasserstoff. Kansha, Toyota!

Mirai Mathieu? Nein, Toyotas Wasserstoff-Flitzer

Namensvorschlag für ein neues Modell: Toyota Roberto

Ein tonnenschwerer Geist

Bei Rolls Royce hat das übersinnliche Tradition. Es gab – und gibt – Phantome und mit dem „Silver Ghost“ schickte man bereits 1906 den ersten Geist in das Rennen um die Gunst der solventen Kunden. Dabei passt der Name damals wie heute überhaupt nicht zum Auto. Denn Gespenster trollen sich eher ätherisch leicht durch mittelalterliche Ritterbehausungen, während die britischen Nobelkarossen an Trutzburgen erinnern: Der aktuelle Ghost wiegt gut 2,5 Tonnen, ist massiv wie die Mauern von Windsor Castle und im Unterhalt fast genauso teuer. Und: Wem ein solches Fahrzeug durch den Kopf spukt, der braucht einen großen Schatz. Die Basisvariante kostet schon mal 290.000 Euro. Vom Verbrauch des 12-Zylinders redet man besser nicht, sonst wird der Geist am Ende böse.

Wehe, wenn dieser Geist spukt: Rolls Royce Ghost

Namensvorschlag für ein neues Modell: Rolls Royce Vampyre

Ein SUV von den Inseln

Škoda hat das „q“ für sich entdeckt. Es ist das finale Zeichen, das erst in den Worten Kodiaq, Kamiq und nun auch in Karoq auftaucht. Nun ja, der ohnehin selten verwendete Buchstabe macht die Namen noch seltsamer, als sie sowieso schon sind. Man stelle sich die Worte Barock oder Tarock mal so vor: „Baroq“ oder „Taroq“. Von „Faltenroq“ oder „Hardroq“ ganz zu schweigen. Als wäre zum Beispiel der Begriff Karoq auch ohne das „q“ nicht schon irgendwie befremdlich… Was ja kein Wunder ist. Er setzt sich aus zwei Worten zusammen, die in ihrer lautmalerischen Schönheit direkt der Sprache der Bewohner – genau – des Kodiak-Archipels entnommen wurden: „Kaa‘raq“ steht für Auto und „Ruq“ für Pfeil. Das SUV ein Pfeil? Was sagen denn die Gegner der dicken Allradler zu diesem martialischen Namen? Egal, „Karoq“ klingt exotisch? Ist auch exotisch. Denn die Kodiaqinseln liegen ja an der Südküste von Alaska. Und das ist übrigens genau dort, wo man davon lebt, Fischstäbchen zu fangen.

Ob er es durch Alaska schafft? Škoda Karoq

Namensvorschlag für ein neues Modell: Škoda Mikmaq

Kinderkram aus Gallien

Wie sagte schon der große Häuptling Dingenskirchen? Genau: „Wenn man alles schon benannt hat, fallen einem keine neuen Worte mehr ein“. Und das stimmt natürlich auch. Deshalb wildert die Marketingcrew von Škoda seit einiger Zeit bei den nordamerikanischen Ureinwohnern und setzt deren Worte neu zusammen. Und was macht man derweil bei Renault? Dort tut man so, als würde man sich des Arabischen bedienen. Denn Kadjar klingt doch irgendwie nach tausendundeiner Nacht, nach dem Leibwächter von Sultan Günter oder einem magischen Ort am Rande der Sahara. Aber nein, die Franzosen sprechen nicht in fremden Zungen. Bei der Benennung ihres SUV bedienen sie sich kindlicher Lautmalerei. Aber – analog zu den Tschechen – haben sie ein Faible für zusammengesetzte Worte: „Kadjar“ besteht aus der Silbe „Kad“, und die soll vom Wort „Quad“ abgeleitet worden sein. Diese Hälfte hat also irgendwas mit Allrad zu tun. Und „Jar“? Die drei Buchstaben erinnern angeblich in Kombination an die französischen Worte „agile“ (deutsch: leichtfüßig) und „jaillir“ (deutsch: hervorsprudeln). Erklärt der Hersteller. Und was würde Obelix über seine Nachfahren im Hause Renault sagen? „Die spinnen, die Gallier!“

Agiles Quad? Renault Kadjar

Namensvorschlag für ein neues Modell: Renault Toqlique

Fahren wie im Zirkus

Fragte man die Gladiatoren, ob sie in der Arena gegen Löwen kämpfen oder im Streitwagen den großen Preis von Rom austragen und dabei bis zum bitteren Ende um den Sieg streiten wollen? Nein, natürlich nicht. Denn selbst der mutige Maximus Decinus Meridius aus Ridley Scotts „Gladiator“ hätte dankend verneint. Und Ben Hur? Hätte es sicher lieber wie die Lilien auf dem Felde gehalten. Aber natürlich kann man ein starkes, geländegängiges Fahrzeug Gladiator nennen, erst recht, wenn man schon Modelle namens „Renegade“ und „Wrangler“ im Sortiment hat. Und genau das tut man bei Jeep: Der Gladiator kommt 2020 auf den Markt und ist ein allradgetriebenes Kampfschwein erster Güte. Das Pickup ist praktisch, weil viel Ladefläche auf 5,54 Metern Länge untergebracht wird. Der Wendekreis ist allerdings mit 13,7 Metern so groß, dass sich alle Löwen in der Umgebung des Autos in Acht nehmen sollten. Die geländegängigste Version des Gladiators heißt übrigens – wie bei Jeep durchaus üblich – Rubicon. Das von Julius Cäsar her bekannte Flüsschen gleichen Namens würde der Ami auf jeden Fall durchqueren können. Nur bei Wagenrennen mit echten Sportgeräten hätte er keine Chance. Aber der Jeep Gladiator könnte fast den kompletten Circus Maximus wegziehen. Denn seine Anhängelast beträgt 3.500 Kilo. Das schreit ja förmlich nach einer Anhängerkupplung.

Würde Ben Hur heute Gladiator fahren?

Namensvorschlag für ein neues Modell: Jeep Centurion

Fazit

Ob es bei Kupplung.de für den dicken Jeep eine AHK geben wird, steht – wie bei Toyotas brandneuem Mirai – noch in den Sternen. Sicher ist aber, dass der Marktführer für Škoda Karoq und Renault Kadjar einen passenden Haken zum gewohnt günstigen Preis im Angebot hat. Der Rolls Royce braucht natürlich keine Anhängerkupplung. Denn das Personal fährt mit der S-Klasse hinterher. Und dafür sind bei Kupplung.de AHKs verfügbar.

Bildnachweis
  • Ford Presse
  • Toyota Presse
  • Rolls Royce Press UK
  • Skoda Presse
  • Renault Presse
  • FCA Presse

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