Die beliebtesten Oldtimer der Deutschen

Manfred Prescher 2442 0
Autos, die älter als 30 Jahre sind – und weitgehend im Originalzustand – können das H-Kennzeichen bekommen. Das macht oft aus steuertechnischen Gründen Sinn, zeigt aber auch schon am Nummernschild, dass es sich um ein „automobiles Kulturgut“, also einen Oldtimer, handelt. Ganz nebenbei trägt auch das Kennzeichen dazu bei, dass der Oldie-Markt boomt – im vergangenen Jahr betrug das Wachstum erneut knapp 11 Prozent. Die Rameder-Redaktion stellt die beliebtesten „Ü30“-Autos vor.

 10           Opel Kadett

Zulassungen 2016: 4.685 Exemplare

Den ersten Kadett gab es bereits vor dem Krieg, doch erst 1962 begann die Erfolgsgeschichte des ursprünglich als Käfer-Konkurrenten gebauten Rüsselsheimers. Aber was heißt Rüsselsheimer? Der Kadett lief in Bochum vom Band, wo eigens ein Werk errichtet wurde. Von den fünf Baureihen sind praktisch alle für das H-Kennzeichen geeignet. Nur die späten Jahrgänge des Kadett E müssen noch warten – 2023 kann der letzte Leichtmatrose umgemeldet werden. Übrigens: Der Nachfolger Astra trägt die Buchstabenkürzel weiter. Der aktuelle Kompakt-Opel heißt Astra K.

 

9             Mercedes-Benz W113

Zulassungen 2016: 4.949 Exemplare

Man kennt dieses erstaunlich filigrane Fahrzeug als „Pagode“. Den Spitznamen „Pagode“ verdanken die SL-Modelle der 1960er Jahre dem nach innen gewölbten Hardtop. Im Gegensatz zum rundlichen Vorgänger, ist die Pagode vom Design her auffällig klar und „geradeheraus“. Das hat nicht nur mit dem Zeitgeist, sondern neuen Sicherheitstechniken beim Autobau zu tun. Die Basis ist übrigens die „Heckflosse“, deren Bodengruppe um 30 Zentimeter gekürzt wurde. Egal, ob als 230, 250 oder 280 SL – letzterer mit 170 PS – die von 1963 bis 1971 gebauten W113 sind längst schon eine Wertanlage

 

8             VW Golf

Zulassungen 2016: 5.984 Exemplare

Das H-Kennzeichen betrifft bislang „nur“ die Baureihen Golf I und II, sowie die frühen Modelle des Golf III. Aber davon gibt es immer noch sehr viele. Denn der revolutionäre Grundentwurf von Giorgio Giugiaro hat sich bewährt – insgesamt wurden über 30 Millionen „Gölfe“ verkauft. Das schlichte Design der frühen Reihen wirkt heute recht zart und schmächtig, aber zeitlos. Das liegt auch daran, dass das Grundkonzept auch beim aktuellen Golf noch gilt –  Schlichtheit, Heckklappe, Schrägheck und jede Menge Nutzwert auf kompakten Raum.

 

7             Mercedes-Benz W110/W111

Zulassungen 2016: 6.097 Exemplare

Von 1961 bis 1968 wurde die sogenannte „Heckflosse“ hergestellt. Sie bot, im Vergleich zum Vorgänger, dem „Ponton“, deutlich mehr Platz. Als Mercedes die Flosse brachte, war das Design-Element eigentlich nicht mehr „en vogue“. Aber als „Peilsteg“ funktioniert das Feature auch in den 1960er. Legendär ist der „Walzentacho“, aber auch die Laufleistung der Dieselmotoren. Weshalb die Selbstzünder zum Lieblingstaxi der Deutschen wurden – und das obwohl die Beschleunigungswerte eigentlich Entschleunigungswerte sind. Die Baureihe W111 kommt als Cabrio oder Coupé ohne Flosse aus – mit diesen eleganten Fahrzeugen richtete sich Daimler gezielt an sehr wohlhabende Kunden. Stärkstes Modell war der 280 SE mit 3,5-Liter-V8 und 200 PS. Wie man zwischen „Hochkühler“- und „Flachkühler“-Modellen unterscheidet, warum die Luftfederung wegfiel und was das Dilemma der „großen Flossen“ 220 und 230 ist, kann jeder selber nachrecherchieren.

 

6             Mercedes-Benz W114/W115

Zulassungen 2016: 7.352 Exemplare

Man kennt diese Baureihe als „/8“, weil sie 1968 als Nachfolger der „Flosse“ eingeführt wurde. Einige Vorserienmodelle wurden allerdings schon im Winter 1967 verkauft. Insgesamt wurden die W114/115 zum ersten Millionenseller der Stuttgarter, denn es wurden knapp 2 Millionen Exemplare abgesetzt. Die Bandbreite reicht dabei vom braven Diesel, der hunderttausende Kilometer als Taxi abspulte, bis zum 280 E/CE mit 185 PS. Man konnte, wenn man sich die Aufpreisliste vornahm, den Kaufpreis des „kleinen“ Benz leicht mehr als verdoppeln. Und nach seiner ersten Erfolgsgeschichte wurde er der „/8“ zum zuverlässigen Kultobjekt von Studenten. Es hieß einfach „bis dass der Rost uns scheidet“. Gebaut wurde in vier Halbserien „0,5“, „1“, „1,5“ und „2“ mit der dazugehörigen Modellpflege bis Ende 1976.

 

5             VW Bus

Zulassungen 2016: 7.736 Exemplare

Besonders begehrt sind natürlich die „Samba“-Bullis mit den kleinen Fenstern am oberen Karosserierand -oder Campingvarianten. Die Ur-Karosserie des ursprünglich als Wiederaufbau-Knecht lancierten VW Bus geht als Modell T1 auf das Jahr 1950 zurück, sie blieb – in Grundzügen als T2 bis 1979 erhalten. Alle Varianten von T1/T2 können H-Kennzeichen bekommen. Beim Nachfolger T3, der 1979 bis 1992 vom Band lief, kommt aktuell der Jahrgang 1987 neu in den Genuss, als „Oldtimer im Sinne des Gesetzes“ zu gelten. Beim T3 sind neben dem Boxermotor erstmals auch Dieselaggregate verbaut worden.

 

4             Mercedes-Benz SL R/C 107

Zulassungen 2016: 13.719 Exemplare

Der Luxuswagen, den es als Coupé (C) und Roadster gab (R), wurde von 1971 bis 1989 gebaut. Flaggschiff war dabei das 500 SLC-Coupé mit Achtzylinder-Motor und 240 PS. Der Nachfolger der „Pagode“ setzte im Bereich der passiven Sicherheit neue Maßstäbe: Béla Barényis Sicherheitskonzept mit Knautschzonen vorne und hinten, dazu eine sehr verformungsoptimierte und feste Fahrgastzelle waren revolutionär. Wie in der S-Klasse W116 setzte Mercedes auch bei den sportlichen Ablegern Maßstäbe. Dadurch geriet das Design wuchtiger und massiver als das des „zarten“ Vorgängers.

 

3             Porsche 911/912

Zulassungen 2016: 14.052 Exemplare

Seit 1963 wird der „Elfer“ nun – in zig Baureihen – weiterentwickelt. Ursprünglich hieß das Auto 901, aber man vergaß, dass Peugeot sich Zahlenreihen mit „Null in der Mitte“ schützen ließ. Auf jeden Fall ist das geniale Design, das zum großen Teil von Ferdinand Alexander Porsche – dem Sohn von Ferry Porsche – entworfen wurde. Wichtig war damals ein Radstand von weniger als 220 Zentimetern. Außerdem hatte der Motor hinten zu sein und eine optische Nähe zum Vorgänger, dem 356, sollte erkennbar sein. All das ist geglückt. Und noch mehr: Alle „Elfer“ sind Teil der Sportwagen-Ikonographie Porsches. Und jeder Jahrgang wird irgendwann H-Kennzeichen bekommen. Unweigerlich.

 

2             Mercedes-Benz W123

Zulassungen 2016: 18.578 Exemplare

Etwas mehr als zehn Jahre lang – November 1975 bis Januar 1986 – wurde der Nachfolger des „/8“ gebaut. Es war erneut ein großer Wurf für Mercedes, auch oder weil das Design so zeitlos unaufgeregt war, dass es heute noch recht modern wirkt. Außerdem gab es, neben einer riesigen Vielfalt an Motoren, erstmals auch offiziell „T-Modelle“, also Kombis. Als der von Anfang begehrte W123 auf den Markt kam, war der Vorgänger noch erhältlich. Die letzten „/8“ kosteten bei gleicher Ausstattung bis zu 2.400 Euro weniger – und man musste nicht auf sie warten. So verkaufte Daimler beide Modelle. Wer sich in Geduld übte, bekam einen unaufgeregt-soliden Wagen. Für Oldie-Fans wichtig: Speziell beim W123 ist die Ersatzteilversorgung sehr gut.

 

1             VW Käfer

Zulassungen 2016: 34.643

Wenn man es genau nimmt, wurde das „Krabbeltier“ von 1936 bis 2003 gebaut – die letzten Exemplare stammen zwar aus Mexiko, sind „offiziell“ längst noch keine Oldtimer, aber doch sehr begehrt. Die ersten Käfer, die auf eine Entwicklung Ferdinand Porsches für NSU zurückgingen und im Dritten Reich als „Volkswagen“ verkauft werden sollten, sind unbezahlbar. Es sind schlicht alle in Museen gelandet. Die Geschichte des KdF-Wagens ist bekannt, die Nachkriegshistorie des VW auch – aber sie ist turbulent. Gebaut in der von den Nazis entworfenen „Autostadt“ Wolfsburg wurde das rundliche Auto wirklich zum Volkswagen – und das nicht nur für die Deutschen. Der Käfer wurde brave Familienkutsche, Hippie, Filmstar, Jeans-Träger, Cabrio, hieß „Brezel“, „Ovali“, „City“ oder „Harlekin“; aber immer blieb er unverwechselbar. Er hatte sich schon in den 1960er Jahren „überlegt, aber er lief und lief und lief immer weiter. Bis heute.

 

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