Spitznamen für Autos – na, wie heißt Du denn?

Manfred Prescher 488 0
Der Deutsche hat eine innige Beziehung zu seinem Auto – und das muss nicht immer ein Liebesverhältnis sein. Deshalb bekommt der fahrbare Untersatz oft einen Spitznamen. Manche dieser Bezeichnungen sind despektierlich, die meisten beschreiben freundlich, wie Fahrer und Fahrzeug zueinanderstehen.

Spitznamen, die wirklich jeder kennt

„Mir egal, wie das Auto heißt, von mir aus nennt es ‚Isabella‘. “ So sagte angeblich der Tycoon Carl Friedrich Wilhelm Borgward und gab nebenbei seinem Hansa 1500 einen Namen, der normalerweise nur zum Spitznamen getaugt hätte. Tatsächlich wurden seit jeher viele Autos von ihren Entwicklern, ihren Besitzern, von Fahrern, Journalisten oder Passanten mit Namen belegt, die – wie beim Mini – später sogar als offizielle Bezeichnung übernommen wurden, sich aber mindestens ins kollektive Gedächtnis einbrannten: Göttin, Ente, Knutschkugel, Laubfrosch, Erdbeerkörbchen, Schwarzer Sarg, Hundeknochen, Kommissbrot, Puppchen… Die Liste ist lang. Manches Auto bekam gleich mehrere berühmte Kosenamen spendiert, so etwa der – äh – Trabbi, beziehungsweise der Trabant P50/P600/P601: „Fluchtkoffer“, „Rennpappe“, „Mercedes Krenz“ oder „Sachsenporsche“ nannte man den Dauerbrenner aus Zwickau. Obwohl: Der eigentliche Sachsenporsche war natürlich der Melkus RS1000 aus Dresden.

Individualität bei der Namensgebung

Immer wieder wird untersucht, welche Namen die Deutschen ihren Autos geben – und wer überhaupt „diese Deutschen“ sind: Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus: Mal gibt jeder Siebte seinem Fahrzeug eine eigene Bezeichnung, mal ist es jeder Dritte. Mal sind es eher die Frauen, mal eher die Männer undsoweiter. Es könnte also jeder sein – jung, alt, reich, arm, weiblich, männlich, Besitzer eines Luxusliners oder einer Schrottkarre. Gut nur, dass es bei Kupplung.de für fast alle Autos mindestens eine passende Anhängerkupplung gibt. Und dabei spielt es keine Rolle, ob das Fahrzeug auf eine schnöde Werksbezeichnungen wie i30 oder 540i oder auf „Assi“, „Arschi“, „Horst“, „Oma Gisela“, „Elfriede“, „Rostbeule“ oder „Silberpfeil“ hört. Selbst, wenn das Fahrzeug von Haus aus schon blumig „Leon“, „Macan“, „Santa Fe“ oder „Mégane“ heißt, bekommt es oft einen Spitznamen. Denn ein solcher schafft – küchenpsychologisch betrachtet – eine Verbindung zwischen dem fahrbaren Untersatz und dem Menschen, der darin Brillenetui oder Einkaufschip verliert.

Im Umfeld umgehört – Flotte Ladys

Frauen sind gute Autofahrer. Das ist längst erwiesen. Und manche Lady ist mit ihrem Blechschätzchen auch flott unterwegs. Immerhin deuten die Spitznamen sowas an: So bezeichnet die Hamburgerin Silke L. ihren Mini als „kleiner Flitzer“, obwohl das Auto gar nicht mal soo klein ist. Tanja S. aus dem schwäbischen Schorndorf suchte für ihren Zweitwagen nach einem Namen, der dem flinken Kurvenverhalten des rüstigen Škoda Fabia gerecht wird – und stieß beim Blättern in einer Autozeitung ihres Freundes auf den legendären tschechischen Rennfahrer Václav Bobek. Sie nennt den gelben Kleinwagen seither „Bobek“, weil das so schön nach „Lolek und Bolek“ klingt. So rollen plötzlich Kindheitserinnerungen durch die Welt. Die Würzburgerin Martina P. bezeichnet ihren Renault Mégane nicht nur als „schwarzen Teufel“, sie hat sogar ein Teufelchen auf die Kante der Heckklappe geklebt.

Im Umfeld umgehört – Meer und Fernweh

Der Wiener Andreas K. hat das Heck seines Hyundai Ioniq auch mit einem Aufkleber verziert – mit einem Delfin. Denn diese Tiere bewegen sich im Wasser lautlos, elegant und flink. Fast so, wie das koreanische Elektrofahrzeug. Und schöner als das seltsame „Ioniq“ ist der Name „Delfin“ allemal. Jens W. aus Pößneck in Thüringen hat oft Fernweh. Deshalb besaß er lange Zeit einen Renault Trafic. Mit dem kam er viel herum. Weil das praktische Auto in Frankreich hergestellt wurde und eben viel von der Welt sehen durfte, nannte er es „Jacques“ – nach dem großen Meeresforscher und -filmer aus der Region Nouvelle-Aquitaine. „In der Gegend war mein Jacques schon“, sagt Jens und ergänzt, dass das Auto – im Gegensatz zum Namensgeber Jacques-Yves Cousteau – niemals auf dem Meeresgrund unterwegs war.

Im Umfeld umgehört – berühmte Vorbilder

Markus B. aus Ludwigsburg hat eine Schwäche für das Cop-Duo Starsky & Hutch (Paul Michael Glaser & David Soul). Und das schon seit diese in den späten 1970er Jahren mit kessen Sprüchen und einem Ford Gran Torino auf den Bildschirmen unterwegs waren. Für ihn spielte es damals keine Rolle, dass mehrere dieser rotweißen Flitzer durch die Serie rasten – Markus wollte schon als Kind unbedingt so ein Auto. Zuerst wurde es „nur“ ein Modell für die Slotcarbahn, dann stand ein echter Torino von 1974 in der Garage. Weil der tatsächlich im Serien-Trimm auftritt, trägt er den Namen „David Starsky“. Rasen muss der rüstige Ami indes nicht mehr. Wer seinen Kleinstwagen nach einem mächtigen Feldherrn benennt, hat auf jeden Fall Humor – auch, wenn es sich bei dem winzigen Auto um einen flotten Abarth 595 handelt. Der Wagen von Hannes N. aus Dortmund heißt nun mal „Hannibal“. „Der Namenspatron brachte nicht nur Elefanten über die Alpen, sondern den Römern bei Cannae eine empfindliche Schlappe bei“, sagt Hannes und verweist darauf, dass der Abarth manch größerem Auto überlegen ist. Warum das aktuelle Reisemobil von Jens W. „Giacomo“ heißt? Man kann es nur erahnen. „Eine Freundin hat dem Ducato den Namen gegeben“, sagt der Thüringer schmunzelnd. Vielleicht verweist „Giacomo“ nicht nur auf die Herkunft des Ducato, sondern auf den Charme seines Besitzers? Das wäre gut möglich.

Frida, die italienische Amerikanerin – oder war es genau umgekehrt?

Fazit: Alles ist möglich

Bei der Namensgebung von Autos ist erlaubt, was gefällt: Vornamen kommen „in freier Wildbahn“ besonders oft vor. Dass eine G-Klasse Tarzan heißt? Passt. Aber ein kompaktes, italienisch-amerikanisches SUV, das „Frida“ genannt wird? Passt doch auch. Schließlich nennt Tanja S. ihren Fiat 500X so. Warum? Weil sie es kann. Vielleicht hat es mit ihrer Vorliebe für die Musik von Abba zu tun? „Nein, an Annafrid dachte ich nicht“, sagt die Schwäbin. Vielleicht ist es die rundliche Form, die an eine Tante Frida erinnert? Wieder daneben: „Nöö“. Wenn man nun weiß, dass Tanja leidenschaftlich gern auf Brettern durch den Schnee tobt, dann könnte auch die ehemalige schwedische Skirennläuferin Frida Hansdotter Pate für den gestanden haben. Bevor man aber nachfragen kann, saust sie mit dem roten Fiat auf und davon.

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