Unfall mit Anhängerkupplung: Ratgeber zu Gesetzen, Versicherung und Schäden

Manfred Prescher 28427 9
Ein heikles Thema: Bei einem Unfall ist eine Anhängerkupplung oft verantwortlich für zusätzlichen Schaden. Was passieren kann, erklärt der Fachmann von Rameder.

Unfall mit abnehmbarer Anhängerkupplung – gibt es Regelungen?

Diese Frage stellen sich viele Autofahrer, die eine abnehmbare Anhängerkupplung besitzen: Muss diese AHK abmontiert sein, wenn sie nicht benutzt wird? Der Gesetzgeber hat bislang noch keine klare Regelung gefunden, aber laut AvD arbeitet man in Berlin an einer Verordnung.  Die Grundlage ist dann §30c (1) STVZO: „Am Umriss der Fahrzeuge dürfen keine Teile so hervorragen, dass sie den Verkehr mehr als unvermeidbar gefährden.“ Die AHK steht nun mal hervor – und da sie abnehmbar ist, wäre also eine Gefährdung vermeidbar. Das künftige Gesetz wird daher vermutlich vorsehen, dass die AHK abmontiert sein sollte. Ohnehin sollte man die Anhängerkupplung entfernen, wenn man schon ein abnehmbares Modell gekauft hat. Bequemlichkeit schadet tatsächlich, denn die Folgen sind im Falle eines Unfalls beträchtlich – zumindest für das Auto, das aufgefahren ist. Das liegt an der „herausragenden“ Bauweise des Kugelkopfes. Bleibt die Frage, wie es mit einer Mitschuld aussieht. Die Allianz beantwortet das so: Normalerweise wird nicht automatisch von einer Mitschuld ausgegangen. Wenn der Auffahrende aber belegen kann, dass der Unfall ohne AHK nicht passiert wäre, könnte es tatsächlich zu einer Mitschuld kommen.

Typische Schäden, die der Kugelkopf verursacht

Durch die vorstehende Kugel mit ihrer geringen Aufprallfläche erhöht sich die Kraft, die auf das andere Fahrzeug punktuell auftrifft. Je nach dem, wie Winkel und Aufprallort sind, kommt es auch bei niedrigem Tempo zu erheblichen Schäden: Eingedrückte Kotflügel, defekte Kühler nebst Grill & verzogene Rahmen sind typische Folgen. Weil bei einem Aufprall von zwei PKWs die Stoßstangen aufeinandertreffen und auch etliches von der Kraft nehmen, sind die Folgen im niedrigen Geschwindigkeitsbereich deutlich geringer, als wenn eine Anhängerkupplung im Spiel ist. Häufig werden den Versicherungen außerdem Fälle gemeldet, bei denen die Kupplung beim Ein- oder Ausparken Schäden verursacht. Hier kommen dann Gutachter zum Einsatz, die ausmessen, ob wirklich die AHK „Schuld“ ist. Und tatsächlich wird die Kupplung häufig beim Bemessen des zum Rangieren benötigten Platzes vergessen – man sieht sie ja auch nicht.

Auffahrunfälle mit Anhängerkupplungen verursachen besondere Schäden

Schäden an der Anhängerkupplung

Kommt es zu einem Unfall, stellt sich die Frage, ob die Anhängerkupplung Schaden gelitten hat. Muss man sie gleich ersetzen? Zumindest im Falle von Mietwagen hat das Amtsgericht Lübeck entschieden, dass die Anhängerkupplung auf jeden Fall ausgetauscht werden muss. Abgesehen davon, dass der Anhängerkupplung-Träger häufig schlimmere Schäden am eigenen Fahrzeug verhindert, empfehlen Sachverständige den Austausch der Kupplung – speziell, wenn der Aufprall bei höherer Geschwindigkeit geschah. Es besteht nämlich der Verdacht, dass die Anhängerkupplung durch Überbelastung beschädigt wurde. Haarrisse und was man sehen kann, sind zum Beispiel Oberflächenbeschädigung, Kerben oder – mit professioneller Hilfe – Versetzungen im Befestigungsbereich. Bei abnehmbaren Anhängerkupplungen kann es auch zu einem übergroßen Spiel der Kugelstange kommen. Auch die Elektrik sollte überprüft werden, weil auch Kabel und Steckdose Schaden genommen haben könnten.

Zur eigenen Sicherheit sollte die abnehmbare AHK abgenommen werden, wenn sie nicht gebraucht wird

Lohnt sich eine Überprüfung?

Eine Materialprüfung beinhaltet eine exakte Vermessung. Technisch möglich wäre dieses Verfahren zwar, aber es stünde jedoch in keinem Verhältnis zu den entstehenden Kosten. Eine Verwendung von Ersatzteilen empfiehlt sich auch nicht, ohne zu wissen, ob und welche Schäden entstanden sind. Natürlich kann ein intakter Elektrosatz im Auto verbleiben, die übrigen Teile sollte man ersetzen. Denn sicher ist nun mal sicher.

Unfallschaden an der Anhängerkupplung erkennt man nicht immer sofort

Bildnachweis
  • Warner Brothers

Kommentare zu "Unfall mit Anhängerkupplung: Ratgeber zu Gesetzen, Versicherung und Schäden"

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Klaus Häckel

Hallo

Bei mir hat sich die abnehmbare Kupplung aus der Arretierung gelöst und der Hänger sich überschlagen.
Der Kupplungskopf war noch im Kupplungsmaul vom Hänger.
Versicherungstechnisch stellt sich hier die Frage, muss hier nicht die Haftpflicht vom PKW aufkommen.
Es sind ja zwei versch. Fahrzeuge u. der Schadensverursacher war die Hängerkupplung, die fest am PKW Installiert ist.
Der PKW ist über meine frau u. der Hänger über mich Versichert.
Der Hänger hat aber keine Vollkasko.
Wie verhält sich das mit der Schadensregulierung am Hänger?

Jens Waldmann
Jens Waldmann

Hallo Klaus Häckel, bedauerlicherweise können wir ihnen zu dieser Frage keine fundierte Auskunft geben. In diesem Fall sollten Sie sich an einen Rechtsexperten wenden, der auf Verkehrsrecht spezialisiert ist.

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Christoph Prasse

Wenn das für abnehmbare Anhängerkupplungen gesetzlich vorgeschrieben wird, wird das dazu führen, dass viel mehr feste AHK`n verbaut werden, denn dann hat man kein Problem mit größeren Nachfahrerschäden! Ich würde mir jedenfalls sofort eine feststehende AHK einbauen lassen, dann wäre ich das Problem los. Typisch deutscher (in NL niemals vorstellbar!) Versicherungenkäse. Was ist, wenn man ein rotes Fähnchen wegen Überlänge dran hängt? U.s.w. u.s.f...

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Stefan

Ich möchte mal die beiden Befürworter des Nichtabnehmens erleben, wenn ihnen ein Auto mit Anhängerkupplung rückwärts direkt hinten rein fährt.. Hatte ich heute, bei mir ist die Stoßstange komplett hinüber, der Unfallverursacher hatte nichts.
Da dies beim Ausparken passierte werden die Versicherungen sich auf 50/50 einigen, also bleibe ich auf meiner defekten Stoßstange sitzen, während der Verursacher fröhlich ohne Schaden weiterfahren kann. Ohne die Kupplung hätten wir beide maximal ne Delle, da höchstens Schrittgeschwindigkeit gefahren wurde...
Also: Ab mit den nicht genutzten Kugelköpfen!

Manfred Prescher
Manfred Prescher

Hallo Stefan, danke für Ihren Post. Wir geben Ihnen recht: Abnehmbare Kugelköpfe sind die ideale Lösung - und bei uns auch für die meisten Fahrzeuge lieferbar.

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siggi

Eine AHK gehört zu einem Auto, egal ob abnehmbar oder nicht.
Es gibt keinerlei rechtliche Grundlage die AHK bei Nichtbenutzung abzunehmen.
Das ist leider mal wieder ein Märchen der Versicherungswirtschaft....

Manfred Prescher
Manfred Prescher

Hallo Siggi, wir geben Ihnen inhaltlich natürlich recht. Dass sich Versicherungen diesbezüglich unterschiedlich verhalten, ist Fakt. In unserem Text steht auch, dass es derzeit keiner gesetzliche Regelung gibt. Es ist aber auch Fakt, dass der Gesetzgeber an einer Novelle arbeitet, ist ebenfalls klar - auch da könnte die Versicherungswirtschaft eine Rolle spielen. Wir halten alle unsere User natürlich darüber auf dem Laufenden.

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Christian Orlikowski

Der Artikel ist soweit sicherlich richtig. Die Behauptung, dass eine AHK grundsätzlich im unbenutzten Zustand abzunehmen ist, wird gerne von Versicherungen vorgetragen. Dieses ist meines Wissens momentan rechtlich so pauschal nicht zu halten. Aktuell ist nach meinem Wissen und Dafürhalten der einzig wirklich zwingende Grund den Kopf einer abnehmbaren AHK abzunehmen der, dass bei bestimmten Modellen bzw. AHK's das Kennzeichen teilweise durch den Kupplungskopf verdeckt wird. Bei diesen AHK´s steht es dann aber auch in der Bedienungsanleitung und ist somit zwingend vorgeschrieben.

Manfred Prescher
Manfred Prescher

Hallo Herr Orlikowski,

danke für die Nachricht - im Artikel steht ja, dass es derzeit keinen Grund bzw. keine Regelung gibt, die eine Abnahme der AHK vorschreibt. Die Ausnahme haben Sie ja auch geschildert - wenn das Nummernschild vom Kugelkopf verdeckt wird. Aber es sieht so aus, dass es tatsächlich zu einer gesetzlichen Regelung kommen könnte. Darüber würden wir unmittelbar im Anschluss an die Novelle auch informieren. Persönlich rate ich dazu, die abnehmbare AHK auch nach der "Benutzung" abzunehmen, denn das verhindert im Zweifelsfall auch dann Schäden, für die man nicht verantwortlich ist, weil etwa das Auto parkt. Herzliche Grüße Manfred Prescher

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