Wäre der Vatikan ein SUV – komische Autonamen VI

Manfred Prescher 2358 0
Phantasie muss man haben, vor allem, wenn es um Autonamen geht. Denn die Bezeichnung soll ja sowohl einzigartig als auch verkaufsfördernd sein. Das Rameder-Team stellt hier erneut Fahrzeuge vor, bei denen man über das Ziel hinausgeschossen ist.

Komische Autonamen: Mädchenname, Virus oder Fahrzeug?

Autonamen sind Schall und Rauch, besonders, wenn sie ein Fahrzeug mit Otto-, Diesel- oder Wankelmotor bezeichnen. Dann lärmt und qualmt es aus der Kiste. Das gilt natürlich auch, wenn das rollende Blech auf eine menschliche Bezeichnung hört. Und was gab es da nicht alles? Eine Borgward Isabella, einen Seat Leon, eine Toyota Carina oder einen Citroën Axel. Letzterer war ein Kleinwagen, den man eigentlich eher als „hässlichen Enterich“ hätte bezeichnen sollen. Seine Konzerngeschwister hießen wenigstens 104 oder Visa und erinnerten daran, zum Tanken die Kreditkarte mitzunehmen.

Wer oder was ist aber Corolla? Neuerdings klingt der Name eher ungesund, aber hier ist es eindeutig: Das Auto war vor dem Virus da. Denn seit 1966 entwickelt sich Toyotas Corolla in zehn sehr unterschiedlichen Baureihen zum Bestseller. Es könnte also doch eher sein, dass im Laufe der Jahrzehnte irgendwo auf der Welt ein Paar auf die Idee gekommen ist, die frisch geborene Tochter nach dem treuen Kompaktwagen aus Fernost zu taufen. In Deutschland ist das übrigens verboten, da kennt der Standesbeamte kein Pardon. Man darf den Spross schließlich auch nicht nach einer Krankheit benennen. Sowas würde ein Stigma bedeuten. Bleibt die Frage, ob ein Auto „Stigma“ heißen dürfte. Klar, das geht: Mitsubishi hat das mit dem Sigma fast schon hinbekommen. Und Toyota? Von 1957 bis 2001 boten die Japaner ein Dutzend Baureihen unter der Bezeichnung Corona oder Corona Premio an. Warum sie das taten? Das Markenflaggschiff war der Crown und das Wort „Corona“ bedeutet halt nun mal auch „Krone“ beziehungsweise „Crown“. Das kann einem getrost spanisch vorkommen, ist es ja schließlich auch.

Namensvorschlag für ein neues Modell: Toyota Maserna  

Ein Zeichen für Erfolg

Es gab Zeiten, da war Opel eine echte Marktmacht. Doch amerikanische Sparmanager sorgten dafür, dass die Qualität der Autos zusehends bedenklicher wurde. Die Folgen sind bekannt: Mittlerweile gehört die Marke zu PSA, aber die Franzosen wussten, was sie taten: Sie übernahmen ein Unternehmen, das wieder auf einen guten Kurs geführt werden musste. Man baut wieder ordentliche Autos – und ist bei der Namensgebung kreativ. Karl und Adam sollen an die Urväter der Firma erinnern, Mokka an den nächsten Cafébesuch und Vivaro an ein Örtchen in Venetien. Wie wäre es mit Mokka Vivaro? Das würde direkt vom Namensschild am Heck aus „Italienurlaub!“ rufen. Es wäre ein Symbol. Und zwar eines, das für dolce vita steht. Mit Symbolen ist das aber so eine Sache: Das lateinische Wort für „Abzeichen“ ist Insigne. Man kann also davon ausgehen, dass die Opelianer mit dem 2008 eingeführten Insignia ein Zeichen setzen wollten. „Seht her, wir sind auch in der Mittelklasse wieder wer“. Aber eigentlich war alles dann doch anders. Denn die Plattform, auf der der Insignia recht anständig geriet, heißt GM Epsilon II, und das Epsilon ist nun mal einfach nur ein Zeichen (ε). Apropos Symbolik: Einer unserer Kollegen fuhr eine Zeit lang Insignia. Er meinte, er würde sofort wieder einen nehmen, wenn er ihn von Opel geschenkt bekäme. Das wäre nun tatsächlich mal ein Zeichen.

Insignia Sports Tourer – ein Zeichen für sportlichen Nutzwert

Namensvorschlag für ein neues Modell: Opel Termiti

Tiger mit Tank

Früher warb mal eine Tankstellenkette mit „Pack den Tiger in den Tank“. Bei Porsches Version eines kompakt geratenen SUV, dem Macan, müsste der Spruch allerdings eher so heißen: „Pack den Tank an den Tiger“ – und genau das passiert ja auch: In den Fertigungshallen wird jeweils ein Benzinspeicher an den Tiger geschraubt. Denn erstens genehmigt sich der Macan – je nach Motorisierung – auch das eine oder andere Literchen Sprit und zweitens heißt Macan tatsächlich „gestreifte Großraubkatze, die durch den Dschungel streift“. Das Wort kommt nämlich aus dem Indonesischen, wird aber vermutlich anders ausgesprochen. Die Namensgeber haben im Wörterbuch der übrigens auch in Malaysia üblichen Sprache aber genau hingeschaut. Ein Wort unter „Macan“ steht nämlich „Makan“ – und das bedeutet „Essen“.  Was dann doch speziell zu den Varianten GTS und Turbo ganz gut gepasst hätte.

Macan im Parkhaus: Der Tiger schläft noch

Namensvorschlag für ein neues Modell: Porsche Celengan

Von Feinden umgeben…

Was ist eine Enklave? Da stellen wir uns mal ganz dumm und gucken mal rasch ins Onlinelexikon: „Eine Enklave ist ein vom eigenen Staatsgebiet eingeschlossener Teil eines fremden Staatsgebietes (Büsingen am Hochrhein) oder ein eingeschlossener fremder Staat“. Aha, aha, aha. San Marino, Lesotho oder der Vatikan sind also Enklaven. Wenn es blöd läuft, dann ist die Zwergengemeinschaft also von Feinden umgeben und muss sich in seiner Trutzburg verschanzen. Dass Buick schon 2007 auf die Idee gekommen ist, ein über fünf Meter langes, 314 PS starkes SUV „Enclave“ zu nennen, macht dann doch Sinn. Denn überall lauern Umweltschützer, Elektroautofahrer und Gesetzgeber darauf, dem Dickschiff den Garaus zu machen. Aber my car is my castle. Und solange noch Benzin im 82-Liter-Tank ist, wird man sich wehren. Bis zum letzten Tropfen…

Eine feste Burg ist unser Auto: SUV-Enklave von Buick

Namensvorschlag für ein neues Modell: Buick Alamo

Kunst ist, wenn es kryptisch wird

Bei VW ist man schon lange sehr kreativ, wenn es um neue Namen geht – Touran, Tiguan, Sharan oder Touareg sind ja bekannt. Aber es geht noch verschwurbelter. Nach dem das Coupé CC und der erfolglose Luxusliner Phaeton eingestellt wurden, klaffte eine Lücke im Sortiment. Die ist zwar niemandem groß aufgefallen, aber man suchte nach einem Namen, der edel genug war, um ein schickes, viertüriges Coupé zu benennen. Technik und Design machten kein Problem, denn im Wolfsburger Baukasten fand sich alles, was man brauchte – vom Kotflügel über den Instrumententräger bis zu den Motoren. Doch wie nennt man ein Auto, das man eigentlich nicht braucht? Man verfiel auf „Arteon“. Denn „Art“ steht für Kunst und die Endung „eon“ gehört etwa im altgriechischen Wort „Pantheon“, zu einem den Göttern geweihten Heiligtum. Man findet das Suffix auch in „Phideon“, wie VW in China sein nobelstes Modell nennt. Der Arteon wird im Reich der Mitte unter dem Kürzel CC verkauft. Klingt komisch? Ist aber so. In Brasilien baut VW übrigens eine Limousine auf Polo-Basis, die Virtus heißt. Und dieser Name klingt – siehe Corolla – in unseren Ohren doch eher ungesund. Der Arteon seinerseits wurde 2018 mit dem „Goldenen Lenkrad“ ausgezeichnet. Passend zur Ehrung gibt es ihn auch in Goldgelb glänzend. Wer sein Heiligtum in dieser auffälligen Farbe haben will, wählt beim Konfigurieren einfach „Kurkumagelb Metallic“.

Namensvorschlag für ein neues Modell: VW Fikteon

Fazit

Mögen die Autonamen noch so ungewöhnlich sein – bei Kupplung.de gibt es mindestens eine Anhängerkupplung dafür. Das gilt für Opel Insignia A und B, für VW Arteon, Porsche Macan und die erste, bis 2017 gebaute Serie des Buick Enclave. Beim Toyota Corolla ist das Angebot umfangreicher. Es reicht zwar nicht zurück bis ins Jahr 1966, aber bis zum Corolla Liftback der Baureihe E9. Und die wurde ab 1987 angeboten. Brauchen Besitzer neuerer Baureihen eine Anhängerkupplung, dann werden sie beim Marktführer auf jeden Fall fündig.

Bildnachweis
  • Citroën Presse
  • Toyota Presse
  • Opel Presse
  • Porsche Presse
  • GM Press
  • Volkswagen Presse

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