Rameder kürt die seltsamsten Lieblingsautos

Manfred Prescher 471 0
Theoretisch ist alles möglich: Autos, die wie Cheeseburger aussehen oder Fahrzeuge, die einem Himmelbett nachempfunden wurden. Oder einer Hochzeitskutsche, die dann auf einem Chrysler PT Cruiser aufbaut. Praktisch geht freilich anders. Rameder kürt jetzt Lieblingsautos, die schräg aussehen aber vielleicht grade deshalb Kult sind.

Lieblingsautos mit Extratechnik: Zurück in die Zukunft

Autos gibt es, die gibt es gar nicht. Oder es sind nur Einzelstücke, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob es sich bei dem Gefährt überhaupt um ein Auto handelt. Was soll man schließlich von einem rollenden Big Mac oder einem Hot Dog halten? Aber es gibt auch immer wieder Prototypen, die in die Zukunft weisen und irgendwann in Serie gehen könnten. Manche bringen es sogar zu einer gewissen Massenproduktion. Ein solche Beispiel ist der Sportwagen mit dem eher traurigen Antrieb: Der DeLorean DMC-12, der immerhin zwei Jahre lang gebaut wurde, schaffte es zum Filmstar in Hollywood.

De Lorean: Zurück in die Zukunft mit bravem Peugeot-Motor

Aber der Reihe nach: John DeLorean erschlich sich Subventionen zum Bau einer Fabrik, denn er war als Automanager unter anderem Chef von Chevrolet. Sein DMC-12 hatte aber schnell den Ruf inne, eine Klapperkiste zu sein. Neben mieser Verarbeitungsqualität bemängelte man den „Europamotor“, den unter anderem Peugeot und Renault verwendeten. Zu normalen PKWs passte der V6 gut, aber zu einer von Italdesign entworfenen Sportwagenkarosserie mit Flügeltüren? Der DMC-12 war also eher berüchtigt als bekannt. Das änderte sich drei Jahre nach Produktionsende überraschenderweise doch noch. Denn 1985, 1989 und 1990 waren Marty McFly und Dr. Emmett L. Brown mit dem DeLorean sehr erfolgreich im Kino unterwegs, es ging „Zurück in die Zukunft“. Dazu wurde der eher schwache V6 technisch sehr innovativ ergänzt – durch den Fluxkompensator. Und den hatte nur dieser eine DMC-12 zu bieten.

Mit dem Fliegen happert es noch: Amphicar

Schwimmendendes Zwergen-Cabrio: Amphicar

Eine Anhängerkupplung gab es für dieses Ding nie – obwohl es sicher lustig anzuschauen wäre, wie das schwimmende Fahrzeug einen Anhänger samt Schiffchen mit auf den See nimmt. Aber erstens braucht das Amphicar kein Boot zu Wasser lassen, weil es selbst schwimmen kann und zweitens war der Antrieb, der vom britischen Triumph Herald 1200 stammte, nicht besonders kräftig: Gerade mal 38 PS lagen an. Überdies kostete das vom Hessen Hans Trippel entwickelte Amphibienfahrzeug bei Markteinführung 1961 etwas mehr als zwei VW Käfer. Dafür bekam man aber ein Cabrio, das speziell für den Bootsbetrieb mit zwei Kunststoffpropellern und einem Extragetriebe ausgestattet war.

Sieben Jahre lang wurde das Amphicar 770 gebaut, 1962 schwamm es in 7 Stunden und  20 Minuten von Calais nach Dover und gerade junge Amerikaner liebten das Gefährt. Es bot Freizeitspaß pur und war auf Asphalt auch nicht langsamer als ein VW Käfer: Die Höchstgeschwindigkeit lag auf ebener Strecke immerhin bei 120 km/h, während im Wasser bis zu 12 km/h (6,47 Knoten) drin waren. Heute ist das Ding eine echte Geldanlage: Perfekt restaurierte Amphicar werden für einen sechsstelligen Eurobetrag veräußert. Witzig ist ein Video aus dem Jahr 1988: Damals wurde der Barde Reinhard Mey von „Verstehen Sie Spaß“ mit einem Amphicar abgeholt. Als Autonarr fand er das ziemlich cool.

Wunderkeil von Pinifarina: Ferrari 512 S Modulo

Als die Keilform cool war: Ferrari Modulo

Manchmal macht die Mode einen Strich durch die Planung – oder man entwirft von vorneherein nur einen Hingucker. Im Fall des von Pininfarina auf Basis des Rennwagens Ferrari 512 S entworfenen Modulo bleibt die Intention im Dunklen. Sicher ist, dass das eher nach UFO denn nach Auto aussehende Designobjekt 1970 auf dem Turiner Autosalon vorgestellt wurde. Dort sollte es als flachste Flunder in einer an flachen Flundern reichen Zeit für Furore sorgen.

So wurde schließlich schon zwei Jahre vorher der von Bertone erstellte Alfa Romeo Carabo zum Star: Nur 98 Zentimeter hoch war der 230 PS starke Sportler. Der Ferrari 512 S Modulo war sogar noch mal 4,5 Zentimeter niedriger. Das Einsteigen galt als extrem schwierig und der Pilot hätte im Auto liegen müssen – wenn es denn überhaupt gefahren wäre. Denn auf einen Motor verzichtete Geizhals Enzo Ferrari. Auf Messen wurden Fahrzeuge ja ohnehin zu Stehzeugen. Vielleicht hält sich deshalb bis heute die Vermutung, der Modulo wäre selbst mit Motor unfahrbar.

Swinging Dreirad: Bond Bug aus England

Abenteuerlich und hip: Bond Bug

Seltsam ist es, das Bond Bug, zumindest in unseren Augen. Aber dreirädrige Autos sind, steuerbedingt, in Großbritannien durchaus erfolgreich im Straßenverkehr zu sehen. Verantwortlich für den nur rund 400 Kilo leichten Dreirad-Floh war der gebürtige Wiener Tom Karen, der auch den legendären Shooting Brake Reliant Scimitar entwarf. Bis auf wenige gelbe Exemplare wurde der Bond Bug zwischen 1970 und 74 ausschließlich in peppigem Orange gefertigt, denn man wollte eine jugendliche Käuferschicht ansprechen. Wer also dem Kinderdreirad und den Stützrädern entwachsen war, sollte ein schickes, witzig-modernes Auto bekommen – mit bis zu 31 PS und auf Wunsch sogar mit Elektroantrieb. In Tests fiel die Kunstoffkiste meist durch, was aber am Kurvenverhalten des mittig angebrachten Vorderrads lag. Insgesamt entstanden 2.268 Exemplare des maximal 121 km/h schnellen Autozwergs.

Irgendwie doch auch ein Mercedes: Gazal-1

Wenn der Scheich ein Auto will: Gazal-1

Studenten der König-Saud-Universität in Riad entwarfen 2009 den KSU Gazal-1 auf Basis des Mercedes G 500 (W463). Vermutlich würden sogar die Anhängerkupplungen passen, die Rameder für den Serien-Benz auf Lager hat. Man konnte das aber leider nie überprüfen, denn das 387 PS starke SUV mit dem dominanten Kühlergrill und dem verwegenen Breitbau blieb ein fahruntüchtiges Einzelstück. Dabei wollte man in Riad tatsächlich mindestens 20.000 Exemplare produzieren. Man ging schließlich davon aus, dass das Dickschiff den Geschmack der saudischen Oberschicht treffen und außerdem technisch wüstenfest sein würde. Vielleicht lag der mangelnde Erfolg des optisch andersartigen Mercedes ja am Namen? Denn „Gazal“ heißt auf Deutsch Gazelle – und die Wüstengazelle gilt als nahezu ausgestorben.  

Hat sogar eine Anhängerkupplung: Citroën CX Loadrunner

Franzöischer Loadrunner: Citroën CX mit sechs Rädern

Den Nachfolger des berühmten Citroën DS gab es ab 1974 als Kombi namens Break. Wer wollte, konnte ihn mit drei Sitzen ordern – und die ließen sich zu einer riesigen Liegelandschaft zusammenschieben. Dank Hydropneumatic schlief es sich hinten auch während der Fahr durchaus kommod. Wem der Platz im knapp fünf Meter langen Break aber trotz der Raumfülle immer noch nicht reichte, konnte unter anderem beim französischen Karossier Tissier oder der belgischen Firma Pijpops einen extralangen Citroën CX bestellen.

Zum Bau eines Loadrunners, wie ihn die Belgier tauften, wurden gleich zwei Breaks benötigt: Der erste wurde unmittelbar hinter der Hinterachse abgeschnitten, der zweite genau davor. Anschließend wurden beide Teile zusammengefügt. Der Kombi kam so auf eine Gesamtlänge von 5,60 bis zu 6,55 Metern – und zu einer zweiten Hinterachse. Für die TÜV-Abnahme wirkt sich übrigens positiv aus, dass bei den meisten Loadrunnern in den Papieren ausschließlich Citroën als Hersteller genannt wird. Das liegt daran, dass die Umbauten an Rahmen, Fahrwerk und Antriebstechnik sehr gering ausfielen.

Original und Umbau: Lincoln Futura wurde zum Batmobil

Batmobil aus Alteisen

In diesem Jahr feiert der Superheld Batman seinen 80. Geburtstag. Genau, 1939 erblickte der von den Herren Finger und Kane erfundene Fledermausmann das Licht der Comicwelt. Wenn Bruce Wayne zu Batman wurde, brauchte er natürlich seit jeher einen fahrbaren Untersatz. Und ebenso natürlich ändern sich Design und technische Features des Batmobils mit dem jeweiligen Zeitgeist. Das Auto sollte immer futuristisch aussehen. Und das tat auch das berühmteste, für die zwischen 1966 und 1968 entstandene TV-Serie gebaute Batmobil. Dabei war der schwarze Gigant mit den roten Rändern eigentlich ein Altauto – was am ehesten die Heckflossen verdeutlichen. Denn die waren seinerzeit schon aus der Mode.

Die immer noch erkennbare Basis des Batmobils bildete ein bereits 1955 von Ghia in Handarbeit gebautes Concept Car: Der Lincoln Futura. Das Auto ging nie in Serie, aber das Ausstellungsstück hatte Zukunft: 1959 wurde es für die Hollywoodkomödie „It Started With A Kiss“ rot lackiert und einige Jahre später mutierte es dann zum Batmobil. 2013 wechselte es schließlich im Fledermaus-Trimm für 4,3 Millionen US-Dollar den Besitzer. Nicht bekannt ist, ob der neue Eigentümer nebenbei als Superheld arbeitet und damit auf Jagd nach Superschurken geht.

Bildnachweis
  • Autoweek
  • Universal Media
  • Hemmings
  • Museo Ferrari
  • Cars From UK
  • Citroen Fans UK
  • Warner Movie

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