Praktisch, unauffällig und bärenstark – die Anhängerkupplung

Manfred Prescher 4698 2
Sie verrichtet ihren Dienst, hilft beim Transport und ist sehr nützlich - die fast schon 100 Jahre "junge" Anhängerkupplung. Gebraucht wird sie mehr denn je - auch, weil unsere PKWs zu sehr kraftvollen Zugpferden wurde. Die Rameder-Experten plaudern aus dem Nähkästchen und erzählen von den verborgenen Qualitäten speziell der Kugelkopfkupplung.

Am Anfang war… – die Geschichte der Anhängerkupplung

Natürlich geht die Entwicklung der Anhängerkupplung mit der des Automobilbaus einher. Denn je leistungsstärker die Fahrzeuge wurden, desto mehr konnten – und sollten – sie transportieren. Natürlich gab es schon vorher Anhänger, aber der Bedarf an Anhängerkupplungen speziell für Kraftfahrzeuge wuchs um das Jahr 1900 herum exorbitant. Bereits 1912 wurden Anhängerkupplungen industriell gefertigt, die Modellvielfalt stieg. Mitte der 1920er Jahre wurde die Kugelkopfkupplung entwickelt. Allerdings dachte man beim Einsatzzweck damals eher an Motorräder. Der normierte Kugeldurchmesser betrug damals wie heute 50 Millimeter.

Westfalia – Vorreiter aus „good old Germany“

Aus einer Schmiede wird eine „Innovationsschmiede“: Bereits 1832 gründete Johann Bernhard Knöbel den Vorläufer des Unternehmens, das heute als Westfalia Weltruf genießt – unter anderem wegen der gelungenen und cleverem Wohnmobil-Umbauten, aber auch wegen seiner bis heute wichtigen Innovationen. So hat der Konzern, der heute von Rheda-Wiedenbrück in Westfalen aus den Globus mit Transportlösungen beliefert, 1932 die Anhängerkupplung mit Kugelkopf erfunden. Dieses ebenso kluge wie pfiffige Detail sorgt immer noch dafür, dass Autos sicher Anhänger ziehen können. Aber natürlich kann man nützliche Dinge immer weiter verbessern: So bringt Westfalia bereits 1966 die erste abnehmbare Anhängerkupplung auf den Markt. Rund zwei Jahrzehnte später, im Jahr 1987, wurde die erste vollautomatisch abnehmbare Kupplung auf den Markt gebracht. Und 1995 produziert Westfalia das erste Modell aus leichtem, aber stabilem Aluminium. Die Geschichte der Anhängerkupplung ist praktisch von Anfang an eng mit dem Konzern aus Westfalen verknüpft.

Was ist eigentlich eine Kugelkopfkupplung?

Die Kugelkopfkupplung am Pkw ist eine genormte Kugel mit einem Durchmesser von 50 Millimetern. Er stellt das Gegenstück zur Anhängerdeichsel und ihrer Kugelpfanne dar. Der Verschluss öffnet sich durch Heben des Sicherungshebels – und so wird auch die Verbindung „fixiert“. Nach dem Ankoppeln ist die Kugelpfanne drehbar mit der Kugel verbinden und gegen Abheben gesichert. Mittlerweile ziehen Anhängerkupplungen nicht „nur“ Anhänger aller Art, sie dienen auch als „Festhaltepunkt“ für Fahrradträger und ihr Gepäck. Die Stützlast auf die Anhängerkupplung beträgt in der Regel 75 Kilo. Außerdem wirken verschiedene Kräfte auf die Kupplung, weswegen sie eine Dauerfestigkeit aufweisen muss. Diese wird D-Wert genannt und bestimmt – gemeinsam mit der Gespann-Masse – die zulässige Anhängelast. Der D-Wert und die Stützlast werden auf dem Typenschild vermerkt.

Manchmal muss man einfach abnehmen…

Wenn der Kugelhals einer Anhängerkupplung das Nummernschild des Zugfahrzeugs verdecken würde, muss die Kupplung nach EG-Richtlinie 94/20 abnehmbar sein. Abgesehen davon, dass das Fahrzeug, wenn es nicht gerade als „Transporter“ dient, schöner aussieht und das Unfallrisiko durch „Übersehen der AHK“ minimiert wird, ist die abnehmbare Anhängerkupplung in diesen speziellen Fällen Pflicht. Erhältlich sind senkrechte, waagerechte und schräge Varianten der abnehmbaren Kupplung. Man kann sie so arretieren, dass sie nicht abfallen und auch nicht von Langfingern „gemopst“ werden können.

Der Elektrik-Trick

Zu jeder Anhängerkupplung gehört auch die direkte Verbindung zur Fahrzeugelektrik, so dass der Anhänger blinken und leuchten kann. Zum Einsatz kommt entweder der siebenpolige Stecker (nach ISO 1724) oder der dreizehnpolige (ISO 11446). Untereinander sind die Systeme inkompatibel. Aber für manche älteren 13-poligen Verbindungen ist ein Adapter für aktuelle siebenpolige Kupplungssystem verfügbar.

Fazit

Die Kugelkopfkupplung erweitert den Nutzwert des PKWs eindeutig – und da unsere Autos immer stärker werden, wird ihre Erfolgsgeschichte auch nach rund 100 Jahren noch weitergeschrieben.

Bildnachweis
  • Classic Driver Market
  • Rameder

Kommentare zu "Praktisch, unauffällig und bärenstark – die Anhängerkupplung"

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Wilhelm Rath

Der Artikel ermutigt mich , eine lang gehegte Idee weiter zu verfolgen:

Ich möchte gerne mit meinem 190 sl (der ja "untendrunter" in Vielem baugleich mit Pontons ist ). und einem kleinen Wohnwagen irgendwann zu Pfingsttreffen nach Ornbau fahren, Habe aber bisher noch keine geeignete Anhängerkupplung gefunden. Ich würde mich freuen, wenn ich eine geeignete und auch bezahlbare Lösung fände.

Manfred Prescher
Manfred Prescher

Hallo Wilhelm Rath, soweit uns bekannt ist, gibt es aktuell zumindest für die Baureihen W121 und W128 noch Spezialfirmen, die AHKs verkaufen. Wir gehen davon aus, dass es sich hierbei um aufbereitete Gebrauchtteile handelt, die man unter anderem auch bei Ebay findet. Ob die AHK auch an den 190 SL passt, können wir Ihnen aber nicht verlässlich sagen. Angesichts des hohen Preises von rund 1.500 Euro (ohne Montage) ist es schon zu überlegen, ob man eine AHK anbauen will.

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