Aller Anfang klingt so…

Manfred Prescher 1186 0
Zunächst einmal eine gute Nachricht für 2018: Unsere beliebte Serie „Die wichtigsten Autos aller Zeiten“ wird – auf mehrfachen Wunsch unserer Leser – um fünf Folgen verlängert. Bevor wir aber mit dem sechsten Teil weitermachen, starten wir erst mal mit einem launigen Blick in die deutsche Hitparade. Was war denn zum Jahresanfang Nummer 1? Um es mit Rudi Carrell zu sagen: „Lasst euch überraschen“. Aller Anfang klingt so:

1958

Fred Bertelmann: „Der lachende Vagabund“

Das wäre heute undenkbar: Ein Lied, das so erfolgreich ist, dass man daraus einen Film macht. In unseren Tagen läuft das eher umgekehrt, aber 1958 kam tatsächlich ein Streifen in die Kinos, in denen der damals sehr erfolgreiche Sänger Fred Bertelmann eben den besungenen Vagabunden spielte. Das Lied, das im Sommer 1957 aufgenommen wurde, ist einer von sechs Top-Ten-Hits, die der in Duisburg geborene Sänger bis 1963 hatte – und sein einzige Nummer-Eins-Song. Das Original heißt „Gambler’s Guitar“, stammt aus dem Jahr 1953 und von Rusty Draper. Aber den Song kennt hierzulande kaum jemand. Im Film ist Bertelmann übrigens auch mit Wohnwagen unterwegs…

1968

Bee Gees: „Massachusetts“

Die Brüder Barry, Maurice und Robin Gibb gründeten 1958 eine Band, die zu den erfolgreichsten Formationen aller Zeiten werden sollte – die Bee Gees. Der Name steht für die Anfangsbuchstaben von „Brothers Gibb“ und damit für das Band, das die Künstler zusammenhielt. Die Briten, die im Kindesalter mit ihren Eltern nach Australien auswanderten, dort die ersten Erfolge feierten und dann im England der späten 1960er durchstarteten, hielten sich über Dekaden an der Spitze. Erstaunlich ist, wie sie nach einer Durststrecke und etlichen Differenzen dann den Disco-Sound mitprägten. „Massachussets“ war auf jeden Fall ihr erster Nummer-1-Hit. Leadsänger war damals Robin Gibb – und der sagte, dass das Lied von den „Flower-Power-Songs“ der Zeit, speziell von Scott McKenzies „San Francisco (Be Sure To Wear Flowers in Your Head)“ beeinflusst ist. Die Bee Gees propagierten allerdings nicht Kalifornien, sondern den Nordosten der USA.

1978

Santa Esmeralda: „Don’t Let Me Be Misunderstood“

Dieses Lied ist ein echter Evergreen. Geschrieben wurde es bereits 1964 – als langsamer Bluessong für Nina Simone. Deren wunderschön getragene, im Juni 1964 erschienene Version blieb allerdings erfolglos. Kurz darauf veröffentlichten die Animals um Eric Burdon eine wesentlich flottere Variante des Liedes und kamen damit in die Charts. Doch erst die Disco-Truppe Santa Esmeralda machte den Song zum Welterfolg. 48 Mal Gold und 42 Mal Platin gab es für den Song mit dem langen, flirrenden Intro. Der Rhythmus-Teil wurde übrigens lange Jahre in der ARD Sportschau beim „Tor des Monats“ eingesetzt. Außerdem findet man „Don’t Let Me Misunderstood“von Santa Esmeralda auch auf dem Soundtrack zu Quentin Tarantinos „Kill Bill“.

1988

Rick Astley: „Whenever You Need Somebody“

Die Herren Stock, Aitken und Waterman waren in den 1980er und frühen 1990er Jahren Hitgaranten. In ihrer Musikschmiede entstanden die Erfolge unter anderem von Kylie Minogue, Samantha Fox oder eben auch von Rick Astley. Der Engländer mit der eleganten Stimme startete mit seiner Debütsingle „Never Gonna Give You Up“ durch. Als Nachfolger wählte man seinerzeit „Whenever You Need Somebody“ – und auch diese Disco-Soul-Nummer schaffte es in vielen Ländern auf Platz 1. Rick Astley ist übrigens immer noch aktiv. Im Gegensatz etwa zu Paul „Wherever I Lay My Hat“ Young ist Astleys Stimme immer noch ziemlich gut.

1998

Run DMC vs. Jason Nevins: „It’s Just Like That“

Drei Rapper aus dem New Yorker Stadtteil Hollis wurden als Run DMC zu Superstars einer noch jungen Szene. Gefördert und Produziert von Rick Rubin schaffte es die Formation aber auch, außerhalb der Rap-Gemeinde erfolgreich zu sein. Speziell mit ihrem dritten Album „Raising Hell“ und der Kollaboration mit Aerosmith, deren „Walk This Way“ sie zum Crossover-Kracher aus Hip-Hop und Hardrock machten. Bereits 1983 erschien die im Underground erfolgreiche Single „It’s Just Like That“. Der House-DJ Jason Nevins entdeckte den Song für sich, machte einen Remix daraus – und der wurde zum Welthit. Solche „Entdeckungen“ sind mittlerweile en vogue, wie zunächst unbekannte Stücke wie „Prayer in C“, „Katchi“ oder „Waves“ belegen. Nevins war also ein Vorreiter für einen mächtigen Trend.

2008

Timbaland presents One Republic: „Apologize“

Der Hip-Hop-Superstar und Produzent präsentiert eine junge Gruppe? Dann kann eigentlich nichts schief gehen – und ging es auch nicht. Die Band um Ryan Tedder und Zach Filkins war dank des Onlinedienstes My Space aber schon ziemlich angesagt, noch bevor am 9. Dezember 2007 das hauptsächlich eben von Timbaland produzierte Debütalbum „Dreaming Out Loud“ auf dem Markt kam  Einen Monat vorher veröffentlichte man als Appetithappen die Single „Apologize“. Der Song war damals aber schon einigen Menschen bekannt, denn er befand sich bereits – in einer anderen, noch mehr vom Rhythmus geprägten Variante – auf Timbalands im April 2007 erschienen Album „Shock Value“.

2018

Ed Sheeran: „Perfect“

Der Mann macht alles richtig: Ed Sheeran aus dem englischen Halifax ist der Songwriter der Stunde. Seine drei Studioalben „+“, „x“ und „÷“ sind absolute Bestseller. Als „÷“ im März 2017 erschien, brach es nicht nur alle Rekorde, es waren sogar alle 12 Songs der „Standard Edition“ in den Charts – in England sogar auf den Plätzen 1 bis 12. Neben „Shape Of You“ oder „Galway Girl“ ist die Ballade „Perfect“ besonders beliebt. Sie war beispielsweise in der bayrischen Hitparade schon im Frühling 2017 Nummer 1. Sie kehrte im Winter 2017/18 an die Spitze zurück und hält sich aktuell dort. Das liegt sicher auch an den Duett-Versionen, speziell an der mit Beyoncé („Perfect Duet“). Aber auch die Zusammenarbeit mit dem blinden Tenor Andrea Bocelli ist ein Erfolg. Wenn man das Video dazu sieht, dann erkennt man, dass Sheeran viel Freude am Besuch bei Bocelli hat.

Bildnachweis
  • Time Out

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